Zehn Katzen - 10.000 bis 15.000 Euro
Meldung aus Löwenberger LandZehn Katzen – 10.000 bis 15.000 Euro. Wer soll das bezahlen?
Katzen sind liebenswerte Tiere. Sie streifen durch unsere Gärten, lassen sich gern einmal verwöhnen und wissen offenbar ziemlich genau, wo ein gut gefüllter Futternapf auf sie wartet. Was zunächst harmlos erscheint, kann allerdings eine erstaunliche Entwicklung nehmen. Aus gelegentlichen Besuchern werden Stammgäste. Weitere Katzen kommen hinzu. Sind die Tiere nicht kastriert, werden aus wenigen Katzen schnell sehr viele. Und irgendwann steht dann die Frage im Raum: Wer kümmert sich jetzt darum? Nicht selten landet diese Frage auf dem Schreibtisch unseres Ordnungsamtes. Verbunden mit der Erwartung, die Gemeinde möge die Tiere einfangen, tierärztlich versorgen, kastrieren und gegebenenfalls unterbringen.
Was auf den ersten Blick nach einer überschaubaren Aufgabe klingt, kann richtig teuer werden. Nehmen wir einmal zehn freilebende Katzen. Sollen diese Tiere eingefangen, tierärztlich versorgt, kastriert und erforderlichenfalls untergebracht werden, kann eine entsprechend umfangreiche Maßnahme nach unserer fallbezogenen Kostenschätzung schnell einen Rahmen von 10.000 bis 15.000 Euro erreichen. Das ist keine bereits bezahlte Rechnung, sondern eine Größenordnung, die bei der Entscheidung über mögliche Maßnahmen berücksichtigt werden muss. Und damit ist es noch nicht getan. Unser Ordnungsamt muss zunächst klären, woher die Tiere stammen, ob sie einen Eigentümer haben, wer rechtlich zuständig ist und welche Maßnahmen überhaupt erforderlich sind.
Dabei unterscheidet der Gesetzgeber zwischen Fundtieren und herrenlosen Tieren. Bei Fundtieren, also insbesondere entlaufenen Tieren, die bereits einen Eigentümer hatten, bestehen gesetzliche Pflichten der zuständigen Fundbehörde zur Unterbringung und Versorgung. Bei tatsächlich herrenlosen Tieren besteht eine solche Verpflichtung dagegen nicht automatisch. Nur weil mehrere Katzen an einem Ort herumlaufen, entsteht daraus noch keine Verpflichtung der Gemeinde, sämtliche Tiere einzufangen, zu versorgen und auf Kosten der Allgemeinheit kastrieren zu lassen. Ob es sich tatsächlich um Fundtiere oder herrenlose Tiere handelt, muss im Einzelfall sorgfältig geprüft werden. Dazu werden Gespräche geführt, Schreiben beantwortet, Unterlagen geprüft und erforderliche Abstimmungen vorgenommen. Bei Bedarf wird auch unser Vertragspartner, die Sirius-Tierpension, einbezogen.
Bei rechtlich schwierigen Fragestellungen ziehen wir gegebenenfalls auch die zuständigen Aufsichtsbehörden hinzu, um unsere rechtliche Einordnung überprüfen zu lassen. All das kostet Arbeitszeit. Nicht nur in unserer Gemeindeverwaltung, sondern gegebenenfalls auch bei anderen Behörden. Und auch diese Arbeitszeit wird letztlich aus öffentlichen Mitteln bezahlt. Natürlich gehört die Bearbeitung solcher Anliegen zu unserer Arbeit. Aber es muss erlaubt sein, dabei auch nach Verhältnismäßigkeit, Zuständigkeit und Kosten zu fragen. Nicht jeder Wunsch nach einer kommunalen Maßnahme kann automatisch zu einem Auftrag auf Kosten der Allgemeinheit werden.
Und damit zurück zum Futternapf.
Wer freilebende Katzen regelmäßig füttert, sollte sich über die Folgen im Klaren sein. Eine dauerhafte Futterstelle kann weitere Tiere anziehen. Sie löst aber weder das Problem der unkontrollierten Vermehrung noch die Frage, wer langfristig Verantwortung übernimmt. Dabei sollte eines nicht übersehen werden: Wer Tiere regelmäßig füttert, versorgt oder bei sich aufnimmt, kann unter bestimmten Voraussetzungen auch rechtlich und finanziell verantwortlich werden. Das bloße Füttern macht zwar noch niemanden automatisch zum Tierhalter. Wer aber nachweislich eine ordnungsrechtlich relevante Gefahr verursacht oder die tatsächliche Verantwortung für Tiere übernimmt, kann bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen auch zur Übernahme von Kosten notwendiger behördlicher Maßnahmen herangezogen werden.
Tierliebe darf deshalb nicht beim Hinstellen eines Futternapfes aufhören. Wer helfen möchte, sollte sich frühzeitig mit einem Tierschutzverein oder einer geeigneten Fachstelle abstimmen. Und genau hier setzen wir auf die Mithilfe unserer Einwohner. Bitte informieren Sie unser Ordnungsamt frühzeitig, wenn Sie eine zunehmende Zahl freilebender Katzen oder offensichtlich unkastrierte Tiere beobachten. Warten Sie nicht erst ab, bis aus wenigen Katzen zehn oder mehr geworden sind und sich die Situation immer weiter verfestigt. Je früher uns solche Beobachtungen erreichen, desto eher können wir prüfen, ob Handlungsbedarf besteht, wer zuständig ist und welche Möglichkeiten es gibt. Selbstverständlich nehmen wir Hinweise auf verletzte, kranke oder offensichtlich hilfsbedürftige Tiere ernst. Und selbstverständlich erfüllen wir die Aufgaben, die uns der Gesetzgeber überträgt.
Wir werden aber ebenso sorgfältig prüfen, wo eine gesetzliche Verpflichtung der Gemeinde besteht und wo eine freiwillige Leistung aus Steuermitteln erwartet wird. Denn auch das gehört zu verantwortungsvoller Kommunalpolitik: Nicht nur zu überlegen, was man alles tun könnte, sondern auch, wer dafür verantwortlich ist und wer am Ende die Rechnung bezahlt. Unser Appell: Helfen Sie Tieren mit Augenmaß und Verantwortung. Melden Sie Auffälligkeiten rechtzeitig und bedenken Sie, dass nicht jedes Problem durch den Einsatz öffentlicher Mittel gelöst werden kann.
Denn eines sollte uns allen bewusst sein: Tierliebe beginnt vielleicht am Futternapf. Verantwortung sollte dort aber nicht enden.
Ihre Gemeindeverwaltung