Falkenthals Turmlaterne ist wieder an ihrem Platz – die Zeitkapsel erzählt von mehr als 300 Jahren Dorfgeschichte
Meldung aus Löwenberger Land„Gott wende in Gnaden allen Krieg ab, und erhalte uns friedliche und ruhige Zeiten!“
Falkenthals Turmlaterne ist wieder an ihrem Platz – die Zeitkapsel erzählt von mehr als 300 Jahren Dorfgeschichte
Foto: Maximilian Kühne
Fast auf den Tag genau zwei Jahre nach der Abnahme ist die Turmlaterne der Falkenthaler Kirche wieder an ihrem Platz. Am 21. Oktober 2026 wurde sie auf den Turm gehoben. Die Spitze war am 22. Oktober 2024 heruntergenommen worden.
Der Weg dorthin verlangte Geduld. Fördermittel mussten Jahr für Jahr neu beantragt werden. Diese wiederkehrende Unsicherheit verzögerte die Arbeiten bis 2026. Die Maurerarbeiten am barocken Turmaufsatz waren bereits Ende 2025 abgeschlossen. Im Mauerwerk ist nun wieder die Jahreszahl 1702 zu sehen, das ursprüngliche Baujahr des Aufsatzes.
Schon eine Woche vor dem Aufsetzen hatten rund 100 Gäste ein Stück Dorfgeschichte erlebt: Am 14. Oktober 2026 kamen sie auf dem Gelände vor der Kirche zur Öffnung der Zeitkapsel zusammen. Auch Bürgermeister Pieter Schneider und Ortsvorsteher Karsten Kiesewetter nahmen teil.
Die ältesten Schriftstücke reichen bis ins Jahr 1702 zurück. Selbst der anwesende Restaurator war überrascht über ihren guten Erhaltungszustand. Über Generationen wurde sorgfältig dokumentiert, was an Kirche und Turm gebaut und erneuert wurde. Die Urkunde vom 30. Mai 1702 berichtet vom Turmneubau; weitere Aufzeichnungen halten Reparaturen von 1787 und 1860 fest. Bereits 1860 wurde die ältere Urkunde abgeschrieben. Die überlieferten Münzen sind noch versiegelt und sollen voraussichtlich so bleiben.
Die Dokumente erzählen zugleich vom Leben im Dorf. Ein Bericht von 1860 nennt für Falkenthal rund 900 Einwohner. Über die Schule heißt es darin: „Im Jahre 1856 wurde ein neues Schulhaus mit 2 Klassen erbaut. Die Zahl der Schulkinder beträgt etwa 180.“ Aus demselben Bericht stammt der Friedenswunsch in der Überschrift. Er ist heute ebenso wichtig wie vor 166 Jahren und verbindet uns mit den Menschen, die diese Zeilen hinterließen. Die historischen Zeugnisse sollen, ergänzt durch Dokumente unserer Zeit, auch kommenden Generationen erhalten bleiben.

Foto: Stephan Determann / Beauftragter des Kirchenkreises für Öffentlichkeitsarbeit
Superintendent Uwe Simon begleitete die Öffnung mit einer kurzen Ansprache. Christian Kawalla, Vorsitzender des Gemeindekirchenrats der Evangelischen Kirchengemeinde Löwenberger Land Nord, gab Einblicke in die Geschichte des Wiederaufbaus. Iris Grützmacher, Mitglied des Gemeindekirchenrats und des Vorstands des Fördervereins Dorfkirche Falkenthal e. V., und Vereinsvorsitzender Lothar Oestreich sind zwei prägende Gesichter dieser Restaurierung. Gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern und vielen Helfern setzen sie sich beharrlich für den Erhalt des Kirchturms ein.
Über Jahre hat der Verein Spenden gesammelt und mit Festen das Dorfleben bereichert. Auch zur Öffnung der Zeitkapsel hatte er eingeladen und sorgte mit Kaffee, Kuchen und herzhaften Snacks für das leibliche Wohl.
Mit den Zimmererarbeiten ist die Zimmerei Lars Dinse beauftragt. Dinse lebt selbst seit Jahren in Falkenthal und ist auf Arbeiten an historischen Bauwerken spezialisiert. Den Kirchturm am eigenen Wohnort zu restaurieren, macht diesen Auftrag für ihn besonders. Auch für die Dorfgemeinschaft ist es schön, dass ein ortsansässiger Handwerker sein Können für dieses Wahrzeichen einbringt.

Foto: Maximilian Kühne
Nach dem Aufsetzen stehen nun weitere Arbeiten an: Die Zimmerer verkleiden die Turmlaterne, die bereits fertigen Luken werden eingehängt. Im November 2026 sollen die neuen Zifferblätter an der Ost- und Westseite angebracht werden. Noch installiert werden müssen die Läuteanlage für die drei Glocken und die Elektroanlagen.
Die Beteiligten hoffen, diese Arbeiten bis Jahresende abschließen zu können.
Damit rückt der Moment näher, auf den viele Falkenthaler warten:
Die Kirchenuhr wird wieder zu sehen und das Geläut der drei Glocken wieder zu hören sein.