„Warum haben wir eigentlich keinen Skaterpark?“
Meldung aus Löwenberger LandDie Klasse 6c der Libertasschule besucht die Gemeindeverwaltung
Wie funktioniert eine Gemeindeverwaltung? Wer entscheidet hier eigentlich was? Und was macht ein Bürgermeister den ganzen Tag?
Diesen Fragen ging die Klasse 6c der Libertasschule bei einem Projekttag in der Gemeindeverwaltung nach.
Begrüßt wurden die Schüler zunächst von meinem Stellvertreter, Herrn Max Schulze. Gemeinsam mit meinen Kollegen aus dem Bürgermeisterbüro ging es anschließend durch das Haus. Dabei lernten die Kinder verschiedene Bereiche der Verwaltung kennen. Anhand eines Stapels Post mussten sie selbst herausfinden, ob ein Anliegen beispielsweise ins Bauamt, in die Kämmerei oder ins Ordnungsamt gehört. Gar nicht so einfach – aber ziemlich nah am echten Verwaltungsalltag.
Wer ist hier eigentlich der Chef?
Später trafen wir uns im Sitzungssaal. Dort erklärte ich den Schülern, wer normalerweise wo sitzt, wie eine Sitzung der Gemeindevertretung abläuft und warum dabei Protokoll geführt wird.
Für einen kleinen Überraschungsmoment sorgte die Erklärung, dass der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Herr Axel Klicks, tatsächlich mein Chef ist. Die Gemeindevertretung besteht aus 18 gewählten Vertretern. Sie haben Herrn Klicks zu ihrem Vorsitzenden gewählt. Damit ist er nach der Kommunalverfassung zugleich mein Dienstvorgesetzter – und muss beispielsweise auch meinen Urlaubsantrag unterschreiben. Dass ausgerechnet ihr eigener Schulleiter der Chef des Bürgermeisters ist, sorgte den Kindern dann doch für erstaunte Gesichter.
Zu einer Sitzung gehört auch die Einwohnerfragestunde. Deshalb machten wir kurzerhand unsere eigene Fragestunde mit dem Bürgermeister – und die Kinder legten sofort los: Warum sind Sie Bürgermeister geworden? Wollten Sie das schon immer werden? Was haben Sie vorher gemacht? Und treten Sie noch einmal zur Wahl an?
Auf die Fragen von Kindern kann man sich nicht vorbereiten. Genau das macht solche Gespräche aber so spannend. Kinder fragen direkt, ehrlich und ohne lange Vorrede. Und manche Frage hat mich nach Worten suchen lassen. Passiert auch nicht allzu oft.
Rossmann, Döner und ein Skaterpark
Danach wurde es praktisch: Die Klasse durfte selbst über 100.000 Euro Gemeindehaushalt entscheiden. Die Wunschliste war schnell gefüllt. Genannt wurden mehr Freizeitangebote, ein Skaterpark, ein weiterer Dönerladen – wobei der Döner möglichst nicht mehr als 3,50 Euro kosten sollte – und ein Rossmann.
Gerade der Wunsch nach einem Rossmann hat mich erstaunt. Ein Bürgermeister kann vieles versuchen, aber einen Drogeriemarkt kann auch er nicht einfach per Beschluss bestellen. (Noch nicht.) Die Frage „Warum haben wir eigentlich keinen Skaterpark?“ ist dagegen absolut berechtigt. Sie zeigt, was jungen Menschen in unserer Gemeinde fehlt und worüber wir weiter nachdenken sollten.
Zum Abschluss wurde bei einer Runde „Stadt, Land, Verwaltung“ gemeinsam geraten und gelacht.
Für mich war dieser Vormittag mehr als nur ein Blick hinter die Kulissen der Verwaltung. Politik darf vor Kindern und Jugendlichen nicht Halt machen. Sie sollen verstehen, wie Entscheidungen entstehen, ihre Fragen stellen und ihre eigenen Vorstellungen einbringen können. Kommunalpolitik ist die unmittelbarste Form von Politik: Sie findet direkt vor der eigenen Haustür statt und betrifft auch unsere Kinder.
Deshalb gilt ausdrücklich: Schulklassen sind bei uns in der Gemeindeverwaltung jederzeit willkommen. Genauso komme ich gerne in den Unterricht, wenn es um die Gemeinde, kommunale Entscheidungen oder politische Bildung geht. Solche Begegnungen dürfen keine einmalige Sache bleiben.
Uns hat dieser Vormittag auch großen Spaß gemacht!
Ihr Pieter Schneider
Bürgermeister


